Jerusalem, 29.7.02 (KAP) Der Jahrhunderte alte Streit um die Besitzrechte in der Jerusalemer Grabeskirche ist wieder aufgeflammt. Bei einer Auseinandersetzung zwischen äthiopischen und koptischen Christen um das Dar-el-Sultan-Kloster auf dem Dach der Grabeskirche wurden am Sonntag mindestens zwölf Gläubige verletzt. Dies berichtete die israelische Nachrichtenagentur ITIM am Montag. Erst die Polizei konnte die Ruhe wieder herstellen.
Die Grabeskirche (das griechische Wort «Anastasis» bedeutet Auferstehungskirche) ist das bedeutendste Heiligtum der Christenheit - und zugleich Symbol ihrer Zerrissenheit. Die Christen verehren in der Kirche den Ort der Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Jesu. Nach den Erkenntnissen der modernen Archäologie spricht vieles dafür, dass Jesu Grab auf dem Gelände der Kirche lag. Anders als heute lag das Grundstück vor 2.000 Jahren außerhalb der Altstadtmauern.
Der heutige Bau geht teils auf das 12., teils auf das 19. Jahrhundert zurück, nachdem 1808 ein Feuer die Rotunde über dem Grab Christi zerstört hatte. Insgesamt erstrecken sich die einzelnen Gebäudeteile über eine Fläche von etwa 100 mal 120 Metern; nicht alle sind zugänglich. Die Grabeskirche ist heute - auf Grund eines von den osmanischen Behörden im 19. Jahrhundert ausgehandelten Kompromisses - gemeinsamer Besitz des griechisch-orthodoxen Patriarchats, des armenisch-apostolischen Patriarchats und der katholischen Franziskaner. Der koptischen, der syrisch-orthodoxen und der äthiopisch-orthodoxen Kirche gehören nur wenige Teile.
Papst Johannes Paul II. nannte die heilige Stätte bei seinem Besuch im Jahr 2000 die «Mutter aller Kirchen» und richtete einen eindringlichen Appell an die gespaltene Christenheit: Gott möge «den Wunsch nach Einheit und Frieden aller bestärken, die das Geschenk des neuen Lebens» durch die Taufe erhalten hätten. Die Christen sollten «die Spaltungen überwinden und gemeinsam für den Aufbau einer Zukunft der Versöhnung, der Einheit und des Friedens eintreten».
Kathpress
29. juli 2002