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Publisert 17. juni 2002 | Oppdatert 17. juni 2002

Rektor des Hospizes in Jerusalem, Schwarz, appelliert in "Presse"-Interview an Österreichs Christen, das Heilige Land zu besuchen - Wenn man bestimmte Regeln einhält, kann man sich im Großteil des Landes sicher bewegen

Wien-Jerusalem, 4.6.02 (KAP) Eine Pilgerreise ins Heilige Land ist weit weniger gefährlich als vielfach angenommen, wenn man sich an bestimmte Regeln hält. Das betonte der Rektor des Österreichischen Hospizes in Jerusalem, Wolfgang Schwarz, in einem Interview in der Dienstagausgabe der Wiener Tageszeitung "Die Presse". "Die Altstadt von Jerusalem ist wohl der sicherste Platz im ganzen Land. Weiters schätze ich auch den großen Teil des gesamten Landes als sicher ein. Analysiert man die terroristischen Aktivitäten der letzten zwanzig Monate, stellt man fest, dass diese nur an bestimmten Stellen erfolgen - dort, wohin der typische Pilger gar nicht kommt; weder geht er in eine Disco noch nimmt er an Hochzeitsfeiern in der Jerusalemer Neustadt teil", so Schwarz.

Ein Problem seien die Zugänge nach Bethlehem und Jericho, teils seien sie möglich, manchmal aber leider nicht. Das gelte auch für den Tempelplatz, der seit etwa zwanzig Monaten gesperrt ist. Ansonsten kann man laut Schwarz das ganze Land bereisen. "Allerdings habe ich für uns zwei Regeln aufgestellt: keine öffentlichen Verkehrsmittel benützen, und Menschenansammlungen vermeiden".

Religiöses Leben geht weiter

Wenn eine Pilgergruppe mit einem Reisebus unterwegs ist oder ein Einzelreisender mit einem Leihwagen, gebe es keine Probleme. Man könne nach Galiläa, Eilat oder in den Negev fahren. "Diese Gebiete sind nicht so gefährdet. Auch wir selbst und unsere Volontäre bereisen diese Gegenden", so der Rektor.

Wörtlich appelliert Schwarz: "Ich möchte alle österreichischen Christen ansprechen, die Sehnsucht nach diesem Land haben und sich mit der Situation der Christinnen und Christen hier identifizieren: Geben Sie Ihrem Herzen einen Stoß und kommen Sie hierher!" Gerade jetzt sei die ideale Zeit dafür, denn die heiligen Stätten stünden leer. Das religiöse Leben gehe durch das Vorhandensein der internationalen Kommunitäten weiter. "Wir leben hier jeden Tag, als wäre am nächsten Tag wieder alles wie in den besten Zeiten. Daher ist auch unser Service voll gewährleistet", hebt er hervor.

Lage der Palästinenser sehr schwierig

Die Lage in Teilen der Palästinensergebiete - in Ramallah, Nablus oder Bethlehem - sei allerdings für die dort lebende Bevölkerung sehr schwierig, schildert Schwarz weiter. Von Freunden in diesen Gebieten wisse er, dass die medizinische Betreuung auf dem Nullpunkt angelangt sei, weil die Menschen ihre Häuser nicht mehr verlassen dürfen oder in ihrer Umgebung kein Spital mehr erreichbar ist.

Schwarz leitet seit 1988 das Österreichische Hospiz in Jerusalem. Der Gästestrom riss mit Beginn der jüngsten Intifada ab. Zur Zeit leben und arbeiten nur ein paar Volontärinnen und Volontäre in dem Haus, zusammen mit ein paar festen Mitarbeitern, die man brauche, um das Haus zu erhalten, berichtet Schwarz. Ab und zu kämen Einzelreisende.

Schwarz: "Ich lebe hier mit einem Auftrag, der sehr eng geführt ist: die Betreuung der Pilger in jeder Form, beginnend mit der Abhaltung von Bibelseminaren bis zur Begleitung der Gruppen durchs Land. Diesem Auftrag kann ich im Moment nicht nachkommen. Ich fühle mich derzeit eher als Erhalter dieser 140 Jahre alten Institution".

Ältestes nationales Pilgerhaus

Das Österreichische Hospiz liegt an der Via Dolorosa und ist das älteste nationale Pilgerhaus im Heiligen Land. 1855 wurde das Grundstück nach einem Besuch von Erzherzog Ferdinand Maximilian, später Kaiser Maximilian von Mexiko, erworben. 1863 konnte der großzügig dimensionierte Neubau eingeweiht werden. Das Hospiz untersteht dem Erzbischof von Wien.

Kaiser Franz Joseph besuchte das Hospiz 1869 auf seiner Reise zur Eröffnung des Suezkanals. Im Ersten Weltkrieg konfiszierten die Briten nach der Einnahme von Jerusalem das Gebäude, widmeten es in ein Waisenhaus für einheimische Kinder um und gaben es im Sommer 1919 zurück. Während des Zweiten Weltkriegs war das Hospiz wieder als "Eigentum des Feindes" beschlagnahmt: Es wurde britische Offiziersschule, aber noch von den Engländern 1948 der Kirche restituiert. Mit der Gründung des Staates Israel wurde Jerusalem geteilt und das Hospiz von den Jordaniern als einziges Spital in Ostjerusalem weitergeführt - unter Mitwirkung geistlicher Schwestern aus Österreich.

Mit dem Sechstagekrieg 1967 kam das Haus unter israelische Kontrolle. Erst 1985 wurde eine Rückstellung an die Erzdiözese Wien erwirkt. Nach einer Totalrenovierung wurde das Österreichische Hospiz im März 1988 wiedereröffnet, der Wiener Bibelwissenschaftler Wolfgang Schwarz zum Rektor bestellt.

Kathpress
4. juni 2002

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